Im Oktober 2009 eröffnete die kleine Lebensmittelausgabe der Tafel Gelnhausen e.V. für die Gemeinden Brachttal und Birstein in Hellstein. Von Anfang an waren Hildegard Koßbu und Karin Oestreich als Teamleiterinnen dabei.

Beiden war schon immer klar, dass sie nach dem Eintritt ins Rentenalter etwas Gutes und Sinnvolles tun möchten. Zufällig fiel die geplante Eröffnung genau in diese Lebensphase der beiden äußerst sympathischen Damen. „Ich habe in der Zeitung von der geplanten Eröffnung gelesen, bei der Gemeinde angerufen und schon war ich dabei. Bereits vor der Eröffnung habe ich die Räumlichkeiten geputzt,“ erzählt Hildegard Koßbu lächelnd.

Frau Koßbu

Frau Oestreich

Bald nach der Eröffnung kamen auch die anderen Damen des gut eingespielten Teams dazu und so entstanden durch die Tätigkeit für die Tafel private Freundschaften zwischen den Frauen: „Wir unternehmen oft etwas gemeinsam und sind einfach füreinander da. Wir sind eine gute Truppe! Auch nach all den Jahren machen wir das hier sehr gern und immer mit Freude!“

Zum Jubiläum gibt es eine kleine Feier, zu der auch der Vorstand der Tafel aus Gelnhausen und die beiden Bürgermeister eingeladen sind.

„Der Bürgermeister aus Brachttal bringt uns zu Weihnachten immer ein kleines Dankeschön vorbei, worüber wir uns sehr freuen!“

Die 41 Körbe, die jeden Donnerstag zwischen 11.50 und 13.15 Uhr ausgegeben werden, packt am Vortag ein im Turnus wechselndes Team der Damen in der Sammelstelle in Gelnhausen. So werden zur Zeit wöchentlich 53 Erwachsene und 26 Kinder aus beiden Gemeinden mit geretteten Lebensmitteln versorgt.

„Die Kunden sind immer nett! Hin und wieder bekommen wir mal Plätzchen oder auch tolles landestypisches Gebäck mitgebracht. Das ist schon eine erfreuliche Wertschätzung unserer Arbeit. Wenn mal jemand vom Team nicht da ist, wird diejenige gleich von den Kunden vermisst,“ berichtet Frau Koßbu.

Auffällig ist, dass wenige Rentner zu den Kunden zählen, obwohl es davon in beiden Gemeinden auch eine Reihe Bedürftige gibt. Es wird davon ausgegangen, dass sich Senioren leider immer noch zieren, die Leistungen der Tafel in Anspruch zu nehmen.

Dabei haben die niedrigen Renten häufig zur Folge, dass es am Monatsende nicht mehr reicht, um Lebensmittel einkaufen zu können. Hier leistet die Tafel Abhilfe.

Problematisch ist es manchmal, weil Kunden aus den umliegenden Orten keine Fahrgelegenheit nach Hellstein haben. Dann rufen sie an und entschuldigen sich, weil sie dieses Mal ihren Korb nicht abholen können. Zwei Familien aus Birstein werden wöchentlich von einem ehemaligen Lehrer nach Hellstein gebracht, um ihre Lebensmittel abholen zu können.

Weltweit werden 1,3 Mrd. Tonnen Lebensmittel pro Jahr weggeworfen und damit für Herstellung und Transport unnötiges Kohlendioxid ausgestoßen. Die Tafeln in Deutschland tragen mit 260.000 Tonnen geretteter Lebensmittel pro Jahr zum Klimaschutz bei. Aktuell kommen in Deutschland regelmäßig 1,65 Millionen Menschen zu den Tafeln und die Zahl der Bedürftigen steigt weiter an. Zwischen 2018 und 2019 ist allein die Anzahl der bedürftigen Senioren in Deutschland um 20 Prozent gestiegen!  

 (Fotos: M. Maiwald)

Die Jury hat entschieden: Die Auszeichnung für besonderes ehrenamtliches soziales Engagement erhalten in diesem Jahr der Vorsitzende der Tafel Gelnhausen, Claus Witte und die Genossenschaft „Wohnbau 60Plus“.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD) wird den Preisträgern die Auszeichnung am Mittwoch, 30. Oktober, in Gelnhausen überreichen. Sie ist mit 7.000 Euro dotiert, die Gewinner teilen sich den Preis je zur Hälfte.

„Zwei zentrale sozialpolitische Handlungsfelder werden in diesem Jahr mit der Auszeichnung in den Mittelpunkt gerückt: bezahlbares Wohnen und die Linderung von Armut“, begründete Susanne Simmler die Entscheidung des zuständigen Ausschusses für Soziales, Familie, Senioren und Demografie. „Beide Themen sind für uns Querschnittsthemen. Steigende Mieten sind im Westkreis ein Dauerbrennerthema, die Folgen des Wohnungsengpasses in und um Frankfurt reichen aber bis in die östliche Hälfte des Main-Kinzig-Kreises hinein. Armut und Armutsrisiko sind ebenfalls in allen Teilen des Kreises ein Thema, durch alle Altersgruppen hindurch. Die Preisträger setzen sich in ihrem Bereich für den sozialen Zusammenhalt herausragend ein, indem sie mit großem Einsatz, auch einigem persönlichen Risiko, die Not und Nöte der Menschen lindern und sie zusammenbringen.“

Claus Witte arbeitet seit 2008 in der Tafel Gelnhausen mit, seit 2012 auch im Vorstand, wo er seit nunmehr sieben Jahren als Vorsitzender die Geschicke der Tafel leitet. Sein Herz schlägt für die Tafel, für die er sich täglich mit großem Engagement einsetzt. Mit hohem Sachverstand, gleichzeitig großem Einfühlungsvermögen und der nötigen Flexibilität unterstützt er die in Not geratenen Menschen in allen Belangen und stärkt den vielen Helfern und Unterstützern den Rücken. So wie er und seine rund 250 Mitstreiterinnen und Mitstreiter in Gelnhausen – hinzukommen vier weitere Ausgabeorte – die Not von etwa 1.200 Menschen aus dem Main-Kinzig-Kreis lindern, so engagieren sich rund 950 Tafeln bundesweit und versorgen Hunderttausende.

„Armut hat viele Gesichter und unzählige mögliche Ursachen. Wir müssen gemeinsam, politisch und zivilgesellschaftlich, darauf hinwirken, dass Armutsrisiken beseitigt oder erheblich verringert werden. Gleichzeitig müssen wir schon jetzt zusehen, die konkrete Situation von Menschen und Haushalten in unserem Kreis zu verbessern. Für genau dieses Engagement bedanke ich mich bei Claus Witte, stellvertretend für alle Tafeln sowie Initiativen, die Armut den Kampf ansagen“, so Simmler.

Foto: In der täglichen Arbeit der Tafel Gelnhausen ist Claus Witte voll in seinem Element – hier mit Susanne Simmler bei einem Besuch der Ersten Kreisbeigeordneten in diesem Jahr.

 (Archivfotos: Kreispressestelle)

Lehrerin Frau Maria Bertsch besuchte mit einer Schülergruppe der Main Kinzig Kliniken – Schule für Pflegeberufe die Tafel. Die Schüler interessierten sich dafür wie die Tafel ihre Kunden mit den geretteten Lebensmitteln versorgt. Vorstandsmitglied Harald Geib erläuterte dazu wie die Tafeln Brücken bauen zwischen Linderung der Armut auf der einen Seite und Lebensmittelverschwendung auf der anderen Seite und führte die Gruppe durch die Geschäftsstelle.

Anlässlich des Helferfestes 2019 ehrte die Tafel 20 ehrenamtliche Kräfte für 10 Jahre treuen und unermüdlichen Einsatz! Geehrt wurden: Maria Anna Aul, Rolf-Dieter Friedrich, Sigrid Grotemeyer, Renate Hörtel, Gerlinde Joffroy, Karin Keilwerth, Hilde Klein, Julie Knappe, Sie Keng Koh, Hildegard Kosbu, Hedwig Laubach, Liselotte Lein, Karin Östreich, Marita Peter, Herbert Roller, Christa Schlegel, Anni Schmitt, Karin Tschiesche, Robert Waxmann und Herta Zirkel. Der Vorsitzende Claus Witte bedankte sich bei allen und lobte ihre herausragende Arbeit

Für den diesjährigen DJK Volley-Cup hatte das Organisationsteam um Sarah Suchy und Lukas Reusing einen besonderen Einfall. Statt dem üblichen Sponsoring warben sie auf ihren Trikots mit dem Aufdruck „Lebensmittel retten – Menschen helfen“ für die Mitarbeit bei der Tafel Gelnhausen. Die zwanzig jungen Sportlerinnen und Sportler solidarisierten sich dadurch mit der Tafelidee und setzten sich mit großem Sportsgeist und viel Spaß für die gute Sache ein.

Am Sonntag durfte die DJK Harald Geib vom Vorstand der Tafel als Gast begrüßen. Er bedankte sich im Namen der Tafel bei allen Mitgliedern des Organisationsteams ganz herzlich für diese kreative Aktion und konnte selbst die großartige Stimmung und das spannende Beachvolleyballturnier genießen.

Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland wächst aktuell in einer schwierigen sozialen Situation auf. „Die steigende Kinderarmut in Deutschland ist eine Gefahr, denn Armut bedeutet für die Betroffenen nicht selten, mit schlechteren Bildungs- und Aufstiegschancen leben zu müssen“, sagt Evelin Schulz, Geschäftsführerin der Tafel Deutschland und der Tafel-Akademie.

In den Tafeln sehen und erleben wir täglich die in Not geratenen Familien und Alleinerziehenden mit ihren Kindern, die unter dieser Situation leiden. Gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden plädieren die Tafeln daher für die Neuberechnung und einheitliche Gewährleistung des Existenzminimums für Kinder. Diese benötigen materielle Sicherheit zum Aufwachsen und müssen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Hier muss die Politik jetzt handeln! So sollte zum Beispiel das Kindergeld nicht den SGB II Leistungsbezug kürzen, sondern den Kindern zur Verfügung stehen. Die Tafel unterstützt deswegen auch die Forderung nach einer eigenen Kindergrundsicherung.

Von den ca, 1.200 Kunden der Tafel Gelnhausen sind ca. 400 Kinder, deren Armut die Tafel lindert, indem sie zu deren Lebensunterhalt beiträgt. Dies allein genügt jedoch nicht. Bundesweit zählen 13,7 Millionen Menschen zu den Armen, 1,5 Millionen davon, das sind gerade einmal 11 %, kommen zu den Tafeln und erhalten dort Lebensmittel, die wir vor der Vernichtung gerettet haben. Wenn wir diese Zahlen für den Altkreis Gelnhausen hochrechnen leben in unserer Region rd. 11.000 Menschen und davon 3.600 Kinder unter der Armutsgrenze. Obwohl der Kreistag des Main-Kinzig-Kreises seit einem Jahr den Auftrag erteilt hat, in einer Studie die Kinderarmut im Kreisgebiet detailliert zu untersuchen, gibt es derzeit leider noch keine konkreten Zahlen bzw. Aktivitäten dazu.

Doch jeder Einzelne kann mithelfen, gegen die Kinderarmut anzukämpfen. Die Tafeln setzen sich hierfür ein, weshalb der Vorsitzende der Tafel Gelnhausen, Claus Witte, dazu aufruft: „Engagiert euch in der Tafel! Unsere aktiven Helfer schenken in Not geratenen Menschen mit ihren Kindern Zeit und lindern auch so die Auswirkungen der Armut. Jeder kann helfen und ist willkommen, die Tafel beispielsweise einmal wöchentlich für etwa 3 Stunden zu unterstützen. Helfen Sie uns!“

Für die Kinder unserer Kunden veranstalten wir im Jahresverlauf gezielt Feste, unterstützen sie mit Büchern und laden sie ein, am gesellschaftlichen Leben ihrer Altersgenossen teilzuhaben. So haben wir ihnen aktuell beispielsweise den Eintritt in das Jumpolino Hüpfburgenland auf der Müllerwiese in Gelnhausen spendiert. Der Veranstalter sponsorte dankenswert unsere Initiative mit einem verbilligten Eintritt, einer Tüte Popcorn und einem Softdrink für jedes Kind. Auch die VR Bank Main-Kinzig-Büdingen hat uns dabei unterstützt, indem sie die Aktion der Tafel Gelnhausen e.V. bei dem VR-VereinsVoting mit einer Spende von 2 € pro dort abgegebener Stimme honoriert hat. Jeder der uns beim Voting seine Stimme gegeben hat, hat ‚unseren‘ Kindern eine große Freude bereitet und die  Not ein wenig gelindert. Vielen herzlichen Dank dafür.